Verleihung "Henri Nannen"-Preise in Hamburg mit Nazan Eckes Tom Schilling, Wim + Donata Wenders & Jette Joop
11.05.12 | 30 Preise für 30 Männer: Und nicht nur die Initiative "ProQuote" hatte etwas an der diesjährigen Vergabe der "Henri Nannen"-Preise in Hamburg zu beanstanden. Während keine Dame auch nur nominiert war, sorgten die Vertreter der männlichen Journalisten für Eklats. Freitagabend nahmen die Autoren der "Süddeutschen Zeitung" ihre Auszeichnung nämlich nicht mal an, da sie nicht zusammen mit der Vertretern der "Bild"-Zeitung geehrt werden wollten. Hans Leyendecker, Klaus Ott und Nicolas Richter von der "SZ" lehnten die renommierte Auszeichnung im Deutschen Schauspielhaus glatt ab. Die Jury hatte sich für zwei Preisträger für die "Beste investigative Leistung" entschieden. Die Nominierung des Boulevardblatts war dabei schon im Vorfeld umstritten. Erfolgreich war der Beitrag "Wirbel um Privatkredit - Hat Wulff das Parlament getäuscht?" (vom 13.12.2011) in der Affäre um den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff, der letztendlich zurücktrat. Das Stück haben die "Bild"-Autoren Martin Heidemanns und Nikolaus Harbusch recherchiert. Nach den beiden kamen die "SZ"-Journalisten auf die Bühne, die 2011 die "Formel-1-Affäre" bei der BayernLB aufgedeckt hatten. Leyendecker zeigte sich gerührt: "So schön war es noch nie", sagte der 63-Jährige rückblickend auf seine Karriere. Und dann brachte er die Erklärung, die das Publikum verstummen ließ. Die Jury-Entscheidung für die "Bild" sei völlig in Ordnung, sagte Leyendecker. Aber er und seine Kollegen wollten nicht am selben Tag mit der "Bild" geehrt werden. Im Vorfeld hatte die Grünen-Politikerin Antje Vollmer eine mögliche "Bild"-Wahl als "Ritterschlag mit Zugang zur Artus-Runde" für das Massenblatt bezeichnet.

Im Vorjahr war der Reportage-Preis in die Kritik geraten und nachträglich einem "Spiegel"-Redakteur wieder aberkannt worden. Dieses Mal war in dieser Kategorie Stefan Willeke von der Wochenzeitung "Die Zeit" erfolgreich. Ein zwölfköpfiges Autorenteam des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" rekonstruierte in der Dokumentation "Eine Bombenidee" erfolgreich das "Elend des Euro", so die Jury. Der 85 Jahre alte Fotograf, Kurator und Stifter F.C. Gundlach wurde für sein Lebenswerk geehrt. Und trotz aller Kritik stieg zur Party wieder die Feierlaune. Mit am diskutieren und zelebrieren: Wim Wenders mit Frau Donata, Claudine Wilde, Joerg Thadeusz, Nick Davies, Bernd Buchholz, Stefan Aust, Judith Rakers, Florian + Miriam Langenscheidt, Marietta Slomka, Dieter Wedel, Christiane Gerboth, Helmut Markwort, Steffen Hallaschka, Wolfgang Kubicki, Anja Reschke, Manfred Lahnstein, Giovanni di Lorenzo, Jonika + Meike Jahr, Anne Will, Miriam Meckel, Henning Voscherau, Tom Schilling, Jette Joop + Christian Elsen, Nazan Eckes, Katja Suding, Peter Lohmeyer + Sarah Wiener, Eva Habermann, Tom Buhrow mit Frau Sabine Stahmer, Andreas Pfaff, Christa Sager mit Ehemann Manfred Ertel, Till Demtroeder, Antonia Rados, Nina Petri, Bettina Tietjen, Armgard Seegers mit Mann Hellmuth Karasek. Live auf der Bühne: Jamie Cullum.

Fotos: Star Press