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13. August 2015
Ai Weiwei beim Regierenden Michael Müller & wohl bald als Prof an der UdK


Aufruhr am Seiteneingang des Roten Rathauses: Der chinesische Künstler Ai Weiwei hat sich angemeldet und nun versammelt sich die Journaille pünktlich um 13 Uhr vor den Toren der Stadtverwaltung am Alexanderplatz. Grund für den Besuch des vor kurzem wieder mit seinem Reisepass ausgestatteten weltberühmten Regierungskritikers?

ai weiwei und buergermeister michael muellerFoto: Markus Breuer

Gemeinsam mit dem Regierenden schreibt er sich ins Gästebuch der Stadt ein. NICHT das goldene Buch! Wie Pressesprecher Dr. Kai-Uwe Merz nochmal extra betont. Dort stehen die Staatsgäste drin, im Gästebuch zum Beispiel die Fußballweltmeister. Dennoch keine schlechte Gesellschaft. Auch soll der Termin ruhig und gelassen über die Bühne gehen. Bloß nicht zuviel Aufsehen erregen und mit einem schielenden Auge gen China alles etwas gelassener betrachten. Staatsgäste? Nein! Nein! Der Bürgermeister empfängt ja "nur" einen Künstler. Dafür gibt es allerdings noch Geschenke. Natürlich nur für Ai Weiweis Sohnemann Lao Ai: Ein niegelnagelneues Hertha-Trikot. Ein wenig Werbung für die Hauptstadt-Kicker kann ja nicht schaden.

Was dann alles noch hinter den Kulissen besprochen wurde? Wir wissen es nicht, es handelte sich am Morgen leider um einen Termin ohne Fragen. Niemand hat wirklich gesprochen. Ganz entspannt trottete Künstler Ai in kurzer Hose und weissem Hemd gen Regierenden-Arbeitszimmer. Dann war auch schon alles aus. Der Stadt bleibt Weiwei dennoch etwas länger erhalten. Nicht nur, dass sein Sohn die letzten Jahre als Ai im chinesischen Hausarrest saß, hier aufwuchs. Auch die UdK scheint interesse an einer Gastprofessur des Stars zu haben.

ai weiwei und buergermeister michael muellerFoto: Markus Breuer

Überlegungen zur Anbindung des Künstlers an die UdK Berlin reichen bis ins Jahr 2010 zurück. Ende April 2011 gelang in enger Zusammenarbeit mit der Einstein Stiftung Berlin und mit Hilfe des UdK-Professors Olafur Eliasson, Ai Weiwei nur wenige Tage nach seiner Inhaftierung eine Gastprofessur der Einstein Stiftung Berlin an der UdK Berlin anzubieten. Diese nahm er schon bald an. Auch während der vergangenen vier Jahre blieb die UdK Berlin mit Ai Weiwei in Kontakt und betonte stets, dass ihre Pläne unverändert fortbestehen.

In einem Gespräch am Montag wurde deutlich, dass sowohl Ai Weiwei als auch die UdK Berlin bestrebt sind, die Aufnahme der Lehrtätigkeit des Künstlers zum Oktober 2015 an der Universität zu konkretisieren. Es wurde das Modell einer offenen Klasse besprochen, die im Grundsatz für UdK-Studierende vieler künstlerischer Disziplinen zugänglich ist. Formate der Auswahl und der Lehre sollen in enger Abstimmung mit dem Künstler entwickelt werden.

„Die Möglichkeit eines mehrjährigen Dialogs mit einer Person mit solch klaren Positionen ist für alle Studierenden von hohem Interesse“, ließ Prof. Martin Rennert über seine Presseabteilung verlauten. „Ai Weiwei ist auch ein politischer Künstler, der in seinen Werken das Verhältnis des Individuums zur Gemeinschaft, der Gegenwart zur Vergangenheit, neue Formen der Kommunikation, aber auch die Spannung zwischen Regierung und Volk wiederholt thematisiert hat.“

ai weiwei und buergermeister michael muellerFoto: Markus Breuer

Verabredet wurde, in den nächsten Wochen sowohl über die notwendigen Räumlichkeiten als auch über die weitere Planung seiner Tätigkeit an der UdK Berlin zu sprechen. Darüber hinaus schlug Rennert Ai Weiwei vor, die Studierenden der UdK Berlin sowie das interessierte Publikum im kommenden Wintersemester im Rahmen einer öffentlichen Antrittsvorlesung zu begrüßen. Von Ai Weiwei wird sicher noch einiges zu hören sein und eventuell erwischen wir ja auch mal seinen Sohn in Hertha-Montur.

Text/Fotos: Markus Breuer

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