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18. April 2018
Skandal-Musikpreis: Marius Müller-Westernhagen trennt sich von seinen Echos


Am Donnerstag waren die Rapper Kollegah und Farid Bang für ihr Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" mit dem wichtigsten deutschen Musikpreis, dem Echo (AEDT berichtete von der Verleihung der Trophäen) ausgezeichnet worden. Es enthält Textzeilen wie "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal nen Holocaust, komm an mit dem Molotow". Textpassagen die im Battle-Rap wohl keine Ausnahme sind. Aber dass die Musikindustrie den beiden Rüpel-Rappern eine so große Bühne gibt und sie nach ihrer Auszeichnung auch noch genau den Song aufführen lässt, bei dem es bei den anderen Künstlern im Saal Magenverstimmungen gab, war dann vielen doch zu viel des Guten.

„rapper, Foto: Star Press

Erst meldete sich Klaus Voormann zu Wort. Seinerzeit tourte er mit den Beatles durch das Land, entwarf für die Bubiköpfe ein Plattencover. Aus Protest und Empörung, zitieren ihn Medienberichte „Was sich für mich als Geschenk anlässlich meines 80. Geburtstags anfühlte, entpuppt sich nun als große Enttäuschung“.

„rapper,

Nun haben sich auch andere Künstler zu Wort gemeldet: Marius-Müller Westernhagen verkündete auf seiner Facebook-Page "Ich bin nicht der Meinung, dass die mit dem ECHO ausgezeichneten Rapper Antisemiten sind. Sie sind einfach erschreckend ignorant." Der prominente Musiker will jetzt sämtliche sieben Trophäen seiner langjährigen Karriere zurückgeben. Auf Distanz mit dem Musikpreis gingen anschließend noch viele weitere Künstler, der Kulturratspräsident (Christian Höppner) verließ den Echo-Beirat, die Texte der beiden Rapper finde er "widerlich". Höppner kritisierte zudem die Entscheidung des Beirats, der sich in diesem strittigen Fall für die Einladung der Rapper zur Preisverleihung entschieden hatte. Und auch der Dirigent Enoch zu Guttenberg sagte, keinen Preis zu wollen, der auch "Verfassern von widerwärtigen antisemitischen Schmähtexten" verliehen wird. Er würde es als Schande empfinden, weiterhin diesen Preis zu besitzen, entschied sich ebenfalls für eine Rückgabe seines Preises, allerdings handelt es sich dabei um einen "Echo Klassik" (AEDT berichtete), der jedes Jahr auf einer komplett gesonderten Veranstaltung verliehen wird.

Der ARD-Koordinator für Unterhaltung stellt den Echo-Musikpreis mittlerweile komplett in Frage. Es gäbe "nur eine sinnvolle Reaktion: eine Entschuldigung und die Erkenntnis, dass dieser Echo keine Berechtigung mehr hat. Weder inhaltlich noch moralisch." Doch auch hier muss man anmerken: Die Verleihung wurde jahrelang im Ersten ausgestrahlt, 2016 trennte sich das öffentlich-rechtliche von der Veranstaltung. Grund? Zu schlechte Quoten! Nur noch 3,39 Millionen Zuschauer sahen sich im April 2016 die 25. Verleihung des Echo an. Dann wanderte die Unterhaltungsshow zu Vox. Hier ging es im Vergleich zum Vorjahr bergauf. Nach dem aus Quotensicht reichlich enttäuschenden Einstand im vorigen Jahr, konnte Vox die Zuschauerzahlen der Echo-Verleihung diesmal deutlich ausbauen. Mit weniger als 1,3 Millionen Zuschauern musste die Show im Vorjahr einen bitteren Tiefstwert hinnehmen. Diesmal hat der Sender nun einiges verändert und zusammen mit dem Wirbel um die Auszeichnungen für Kollegah und Farid Bang einige Zuschauer zurückgewonnen. 1,79 Millionen Zuschauer schalteten am Donnerstagabend ein und bescherten über 6% Marktanteil.

„rapper,Rapper Kollegah mit seinem Echo bei der Aftershowparty in der Messe Berlin. Foto: Star Press

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