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05. January 2012
Berlin und das Clubsterben 2012 -- jetzt verschwindet auch das Beach at The Box




Es geht um Bauverträge, Anwohnerlärm, Gentrifizierung und das Berliner Lebensgefühl. Wenn alteingesessene Clubs wie das Icon, dass seit 15 Jahren mit Drum'n'Bass-Partys und HipHop-Events in seine Kellerräume am Prenzlberg lockte, jetzt endgültig schließen müssen, weil die drumherum gebauten Schicki-Micki-Wohnungen mit ihren ruheverliebten Anwohnern es für Lärmbelästigung halten, wenn sich Kulturinteressierte vor ihren schnieken Gärten unterhalten, dann grummelt es schon ein wenig in den Szene-Mägen der Berliner.

Mittlerweile trifft es nicht nur Tanzschuppen, sondern auch einfache Bars. Ein paar Hundert Meter vom Icon entfernt schließt Mitte Januar auch der sogenannte Klub der Republik. Im KDR, ein Glaspavillon in einer Häuserlücke,  versammelten sich seit 10 Jahren im DDR-Ambiente kreative Tagelöhner und Lebenskünstler. Nach diversen Mahnbescheiden, Anzeigen und Kurzzeitmietverträgen haben die Betreiber  keine Kraft, mehr sich über Wasser zu halten. Langsam stirbt im Prenzlauer Berg und in Mitte die Subkultur, die diese Stadt so interessant gemacht hat, auf Kosten von teuren Eigentums- und großzügigen Familienwohnungen aus.

Erst vergangenes Jahr musste der Knaack-Klub schließen, für Bewohner eines neuen Hauses der Sanus AG war die angestammte Einrichtung zu laut. Eigentlich ein Club, wie er sicherlich auch gemeint ist im Koalitionsvertrag des rot-schwarzen Senats. Der hat beschlossen, die „Freie Szene“ besser zu fördern, auch vom „Schutz“ für die notwendigen Räume ist die Rede. Studien belegen, dass es die besonderen Clubs sind, die junge Besucher in die Stadt ziehen.

Doch die Berliner Kreativen stehen natürlich nicht ohne Lobby da. Die Berliner Clubcommission, der mittlerweile 120 Betriebe angehören, hat sich im Mai mit anderen Branchenvereinigungen zum Musicboard zusammengeschlossen. Im Positionspapier "Musik 2020" fordert die Vereinigung eine "institutionelle Grundsicherung" und die politische Anerkennung der Berliner Musikszene. Hier wird der Versuch unternommen, sämtliche Interessen der Szene mal aus zu formulieren und politisch aktiv zu werden.

Auch das Berliner Tacheles kämpft seit Jahren gegen sein Schließung. Ob es nun eine Kunstruine bleibt oder zu einem Spekulationsobjekt wird, ist ungewiß. Das Atelierhaus in Mitte steht seit drei Jahren unter Zwangsverwaltung der HSH Nordbank. Im Dezember wurde erstmals ein Künstler aus dem Haus geworfen.

Jetzt erwischte es auch das Box @ The Beach und die davor gelegene Strandbar Beach @ The Box, die Locations müssen nun entgültig schließen. Das Bauamt Charlottenburg-Wilmersdorf erklärte Mittwochabend das Aus.

Die Begründung für die Schließung laut Bauamt: Zum einen liege das Gelände von Club und Stadtstrand an der Englischen Straße 21-23, auf einem Industriegrundstück und hier seien Vergnügungsstätten nicht erlaubt. Zum anderen bringe der Betrieb Unruhe in das Gebiet. Das sei wohl kurios, denn trotzdem erhielt der Betreiber Alexander Freund 2009 (AEDT berichtete über die Eröffnung oder über Annemarie Eilfeld, die ihren 20. Geburtstag im Beach feierte) eine Nutzungserlaubnis für 3 Jahre, sowie in 2011 die Aussicht auf eine Nutzungsverlängerung von selbigem Bauamt bis August 2012. "Und dann kam am 30. November der Bescheid, dass ich noch am selben Tag, schließen muss. Daraufhin habe ich beim Verwaltungsgericht eine Fristverlängerung bis Anfang Januar 2012 erwirkt, um zumindest noch unsere Silvesterparty stattfinden zu lassen", erklärt der Betreiber. Schluss ist auch für 5 Festangestellte und 32 Teilzeitmitarbeiter der BOX Gaststättenbetriebs GmbH. Wie es mit seiner Firma weitergeht, ist derzeit noch unklar.

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